2. Mai 2012 – 17:16
Im Innenstadtbereich von Wittstock fanden am 01.05.2012 mehrere angemeldete Versammlungen statt. Problematisch war aus polizeilicher Sicht insbesondere die Anmeldung einer Demonstration mit Aufzug der „Freien Kräfte Neuruppin/Osthavelland“ sowie der „Freien Nationalisten Wittstock“ vom Januar 2012, gegen die bis zum heutigen Tag zunächst fünf unterschiedliche Gegenveranstaltungen aus dem bürgerlichen und linksorientierten Spektrum angemeldet worden waren.
Ziel und verfassungsmäßiger Auftrag des polizeilichen Einsatzes war entsprechend die Gewährleistung des Grundrechtes auf Versammlungsfreiheit für alle angemeldeten Versammlungen.
Gegen 10.20 Uhr wurde am Bahnhof Wittstock eine Eilversammlung angemeldet, die sich gegen den Aufzug aus dem rechten Spektrum richtete. Gegen 12.50 Uhr kam es in der Kyritzer Straße, am Kyritzer Tor, zu weiteren Spontanversammlungen, die sich ebenfalls gegen den Aufzug der „Freien Kräfte etc.“ richteten. Die Teilnehmer dieser Versammlungen wählten als Versammlungsort die Kyritzer Straße beidseitig des dortigen Bahnüberganges, mithin die geplante Strecke der „Freien Kräfte etc.“.
Der Aufzug der „Freien Kräfte etc“, der gegen 12.45 Uhr am Bahnhof begonnen hatte, kam dadurch auf der Bahnhofstraße zum Stehen. Gegen 13.30 Uhr wurde die Versammlung vom Versammlungsleiter abgebrochen, dann der Aufzug zurück zum Bahnhof geführt und dort die Versammlung für beendet erklärt.
Die Teilnehmer des Aufzuges verließen größtenteils mit dem Zug oder mit dem PKW das Stadtgebiet von Wittstock in unterschiedliche Richtungen.
Mit Eintreffen des Regionalexpresses aus Wittstock am Bahnhof „Rheinsberger Tor“ in Neuruppin verließen etwa 70 ehemaligen Teilnehmer der Demonstration der „Freien Kräfte etc. “ den Zug und eine Person davon meldete eine Eilversammlung mit Aufzug durch Neuruppin an.
Durch die kurzfristig agierende Versammlungsbehörde wurde dies jedoch nur als Kundgebung für den Bahnhofsvorplatz beauflagt.
Bereits nach wenigen Minuten verließ jedoch ein Großteil der Versammlungsteilnehmer im Laufschritt den Versammlungsort in Richtung Wall zur Gerhard-Hauptmann-Straße, so dass der Versammlungsleiter die Versammlung kurzfristig für beendet erklärte.
Diese Personen sollen sich dann auf der Gerhard-Hauptmann-Straße kurz formiert und wieder getrennt haben. Ein Teil erschien kurze Zeit später vor dem Jugendwohnprojekt in der Schinkelstraße und rief dort mutmaßliche rechtsgerichtete Losungen.
Daraufhin wurden diese Personen nach gegenwärtigem Ermittlungsstand aus dem Jugendprojekt mit verschiedenen Gegenständen, darunter Steinen und Flaschen beworfen, worauf sie den Bereich kurzfristig wieder verließen. Über Personenschäden wurde der Polizei nichts gemeldet, allerdings zeigte eine Anwohnerin die Beschädigung ihres PKW auf der Polizeiinspektion an. In der Folge wurden entsprechende mutmaßliche Wurfgeschosse fotografisch dokumentiert und gegen mehrere Personen, die aus dem Jugendprojekt heraus kamen, Anzeigen wegen des Verdachts des Landfriedensbruches gefertigt. Gegen mehrere Teilnehmer des vormaligen Aufzuges der „Freien Kräfte etc.“, die nach diesem Vorfall im Bereich des Bahnhofes Neuruppin-West festgestellt worden waren, wurden zugleich Anzeigen wegen des Verdachts der Sachbeschädigung gefertigt, da sie einen dortigen Zaun beschädigt hatten.
Im Anschluss entfernten sich die Teilnehmer des Aufzuges per Zug.
Im Stadtgebiet von Wittstock wurde nach Versammlungsende der freien Kräfte eine weitere Spontandemonstration für den Bereich der Eisenbahnstraße/Kyritzer Straße angemeldet. Dort hatten einige Teilnehmer der rechten Demonstration ihre Fahrzeuge abgestellt und wollten nach Beendigung des Aufzuges das Stadtgebiet wieder verlassen. Dies wollten Personen des eher linken Spektrums verhindern. Die Versammlung wurde nach einigen Minuten allerdings vom Versammlungsleiter für beendet erklärt.
Ebenfalls nach Versammlungsende der freien Kräfte trafen auf dem Gelände einer Wittstocker Tankstelle Anhänger der rechten und linken Szene aufeinander, wo offenbar ebenfalls die Abfahrt verhindert werden sollte. Durch das sofortige Eingreifen der Polizeibeamten konnte jedoch eine Auseinandersetzung verhindert werden.
Insgesamt nahmen die Einsatzkräfte bisher zwölf Strafanzeigen unter anderem wegen Landfriedensbruch (1x) Sachbeschädigung (2x), versuchter gefährlicher Körperverletzung (1x) und Verstoß gegen das Versammlungsgesetz (Mitführen eines Messers zur Versammlung) auf. In zwei Fällen wurde ein verbotenes Keltenkreuz auf den Armen mutmaßlicher rechter Versammlungsteilnehmer festgestellt.
Ein 23-jähriger Mann warf am Bahnhof Wittstock mit einer Flasche nach Einsatzkräften der Polizei. Er wurde in Gewahrsam genommen und nach seiner verantwortlichen Vernehmung wieder entlassen. Gegen ihn fertigten die Beamten die Anzeige wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Ein Teilnehmer aus der Spontanversammlung am Kyritzer Tor zündete einen pyrotechnischen Gegenstand. Er erhielt einen Platzverweis. In Wittstock fuhr ein Fahrradfahrer absichtlich gegen einen Polizeibeamten. Auch dieser erhielt eine Anzeige. In einem Fall wurde eine Anzeige gegen einen Polizeibeamten wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt erstattet.
Die Polizeidirektion Nord führte den Einsatz zur Begleitung und Sicherung der Veranstaltungen. Insgesamt kamen mehr als 500 Beamte, davon zwei Hundertschaften der Brandenburger Bereitschaftspolizei, zum Einsatz.
Quelle: PM der Polizei Brandenburg vom 01.05.2012