26. Mai 2013 – 15:00
Während des unbewilligten „Tanz dich frei“-Anlasses in Bern sahen sich die Einsatzkräfte der Polizei, der Sanitätspolizei und der Feuerwehr mit einer massiven Gewaltbereitschaft konfrontiert. Nachdem mehrere Vermummte die Abschrankungen der Rettungsachse vor dem Bundeshaus niederrissen und die sich dahinter befindenden Einsatzkräfte angriffen, mussten Reizstoff und Gummischrot eingesetzt werden.
Der Umzug mit mehreren Soundmobilen startete um zirka 2045 Uhr ab dem Bahnhofplatz. An der Spitze bewegte sich eine Gruppe von Vermummten, teilweise zunächst in Begleitung von Kindern. In dieser ersten Phase kam es bereits zu – wenn auch geringen – Sachbeschädigungen. Mit den Verantwortlichen mehrerer Soundmobile konnte Kontakt aufgenommen und vereinbart werden, dass sie der kommunizierten Route folgen, welche von den Blaulichtorganisationen als am besten geeignet erachtet worden ist. Die Einsatzkräfte hielten sich dabei stark im Hintergrund.
Während die grosse Mehrheit der insgesamt gegen 10‘000 Teilnehmenden friedlich blieb, wurden aus der Gruppe der Vermummten immer wieder Pyrotechnika abgefeuert und Sachschäden durch Sprayereien begangen. Im Laufe des Umzuges kam es immer wieder zu längeren Zwischenhalten. Diese nutzten Personen dazu, um weitere Sachbeschädigungen zu verursachen, unter anderem an der Schwedischen Botschaft.
Um zirka 2330 Uhr durchbrach eine grosse Zahl Vermummter die Sperre zum abgesperrten Fluchtweg durch die Bundesgasse. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Sanitätspolizei mussten sich in der Folge zurückziehen. Nachdem sich die Stimmung weiter anheizte, wurde der Helikopter aufgeboten, welcher sich bereits um zirka 1900 Uhr zu einem kurzen Probeflug über der Stadt befand. Dies um eine Übersicht über die Menschendichte zu erhalten. Die Umzugsteilnehmenden wurden aufgefordert, nicht durch die Bundesgasse zum Bundesplatz zu gelangen und mit dem Grossteil der Soundmobile die Christoffelgasse und die Schauplatzgasse zu passieren. Es zeigte sich, dass der Grossteil der friedlichen Teilnehmenden dieser Aufforderung Folge leistete.
Obwohl sich die Einsatzkräfte nach wie vor im Hintergrund hielten, um eine Eskalation und die Gefährdung Dritter zu vermeiden, rissen zahlreiche Vermummte die Absperrungen der Rettungsachse vor dem Bundeshaus teilweise nieder. Sie griffen dabei die Einsatzkräfte massiv mit Wurfgegenständen und Pyrotechnika an. In der Folge mussten die Polizeiangehörigen Reizstoff und Gummischrot anwenden. Zudem wurde der Wasserwerfer eingesetzt.
Nachdem die Angriffe auf die Einsatzkräfte abgewendet werden konnten, zersplitterten sich die Angreifer in kleinere Gruppen, die verteilt über die Stadt massiven Sachschaden verursachten. Die Polizei rief die Teilnehmenden in Folge der Ausschreitungen kurz vor 0030 Uhr auf, den Umzug abzubrechen und nach Hause zu reisen. Kleinere Gruppen lieferten sich im Laufe der Nacht immer wieder Scharmützel mit der Polizei und verursachten weiteren Sachschaden. Sie zertrümmerten die Scheiben mehrerer Unternehmen und Ladenlokale und behändigten Waren aus den Auslagen. Insgesamt gingen über 70 Scheiben und Vitrinen zu Bruch. Der durch die Sachbeschädigungen und die Plünderungen entstandene Schaden dürfte nach allerersten Schätzungen mehrere hunderttausend Franken betragen.
Die Sanitätspolizei zählte im Rahmen von „Tanz dich frei“ bis am frühen Sonntagmorgen über 50 Einsätze. 30 Personen mussten ins Spital gebracht werden. Eine grosse Zahl der Betroffenen musste wegen übermässigen Alkoholkonsums hospitalisiert werden.
Unter den Verletzten befinden sich insgesamt 20 Angehörige der Kantonspolizei Bern sowie ein Mitarbeiter der Transportpolizei. Dieser musste mit Verletzungen im Gesicht hospitalisiert werden. Die Einsatzkräfte sahen sich mit einer äusserst grossen Gewaltbereitschaft konfrontiert. Auch die Mitarbeitenden von Sanitätspolizei und Feuerwehr wurden angegriffen. An ihren Fahrzeugen entstand Sachschaden. Unterstützt wird die Kantonspolizei Bern von den Polizeikorps der Kanton Aargau, Solothurn sowie Basel-Landschaft.
Starke Auswirkungen hatten der Anlass sowie die Sachbeschädigungen und Plünderungen auch auf Bernmobil. Der Verkehr auf dem öffentlichen Netz in der Stadt Bern kam vom Samstagabend bis am Sonntagmorgen fast vollständig zum Erliegen, ebenso der private Verkehr.
Im Zusammenhang mit den Ausschreitungen wurden 61 Personen angehalten.
Quelle: PM der Kantonspolizei Bern vom 26.05.2013
Via Facebook wurde von den Organisatoren der Veranstaltung als Hauptschuldiger an den Eskalationen natürlich die Polizei ausgemacht (wer auch sonst, man selbst hat ja mit seinen eigenen Veranstaltungen nicht das Mindeste am Hut):
“Die Organisatoren zeigen sich nicht erstaunt über den Ausgang des Abends, er passe zu der «Hetzkampagne» von Sicherheitsdirektor Reto Nause im Vorfeld. Dieser habe im Vorfeld vor einer Massenpanik gewarnt, diese mit dem Polizeieinsatz aber provoziert. «Mit dem Einsatz von Tränengas Massenpanik verhindern zu wollen, ist doof», so das Communiqué.”
Quelle und mehr:
Online-Artikel der Basler Zeitung vom 26.05.2013
http://bazonline.ch/schweiz/standard/Tanz-dich-ins-Traenengas–20-Polizisten-verletzt/story/23091837
Auch im Zusammenhang mit der Vorgeschichte dieses Ereignissen denkt jetzt der Sicherheitsdirektor von Bern nach, Facebook zu verklagen:
“Der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) hat genug: «Ich bin fest entschlossen, gegen Facebook ein Verfahren einzuleiten», sagt er im «SonntagsBlick». Schon im Vorfeld suchten die Behörden per eingeschriebenem Brief erfolglos den Kontakt zu Facebook.«Es darf nicht sein, dass irgendwelche anonym agierende Leute innert Stunden Tausende für illegale Veranstaltungen mobilisieren können.» Zumal die Gefahr bestehe, «dass es zu Gewalttätigkeiten und Sachbeschädigungen kommt und Menschen verletzt oder sogar getötet werden.» Für Nause ist das unverständlich, dass das Unternehmen nicht kooperiert. «Das ist unverantwortlich und ein Missbrauch einer Internetplattform zu illegalen und kriminellen Zwecken. Es geht nicht an, dass sich Facebook um die auf ihrer Seite publizierten Inhalte foutiert.»”
Quelle: ebd.